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On the road mit Chauffeur Franz Hodel

05.00 Uhr in der Früh: Der neuste LKW der DIWISA-Flotte erscheint am Horizont. Franz Hodel ist heute wortwörtlich mein Chauffeur und bringt mir seinen Tagesablauf näher auf der Luxus-Route durchs Emmental.

Bestimmt amüsiert sich Franz bereits zum ersten Mal: Ich öffne die Tür und "kraxle" etwas unbeholfen in die Kabine. Mit einem "Guete Morge" und anschliessendem Blinker setzen, starten wir in den Tag. Er informiert mich über den heutigen Tagesablauf und erwähnt dergleichen, dass wir heute eine Landschafts-Kulinarik erleben werden. 13 Abladestellen sind auf dem Plan; Wir starten Richtung Emmenmatt, Steffisburg, Bern und werden über Zollikofen, Moosseedorf, Burgdorf wieder in Willisau eintreffen.

Ich merke schnell, dass Franz überhaupt kein Morgenmuffel ist und gerne über Gott und die Welt berichtet. Zum Glück ist das auch für mich kein Problem, somit ist ein kurzweiliger Tag vorprogrammiert. Er erzählt mir von seinem Alltag, von seiner Laufbahn und von unvergesslichen Momenten.

Franz war ein Bauernsohn. Somit war eigentlich schon früh klar, dass er einmal den Betrieb übernehmen soll. Doch dieser war zu klein, um davon leben zu können. Deshalb hat er die Lastwagenprüfung gleich mit 18 Jahren absolviert.

Danach konnte er bei der Firma Galliker rund 12 Jahre Erfahrung sammeln. Davon war er 11 Jahre Auslandfahrer und fuhr vor allem in die Benelux Länder, Italien, Deutschland, Jugoslawien und Skandinavien. Während dieser Zeit hat er so einiges erlebt. „Es war wunderschön, dass in Schweden überall übernachtet werden durfte. So konnte man ohne weiteres an einem schönen See rasten, den Sonnenuntergang geniessen und am nächsten Tag die Tour fortsetzen“.

Es war wunderschön, dass in Schweden überall übernachtet werden durft. So konnte man ihne weiteres an einem schönen See rasten, den Sonnentuntergang geniessen und am nächsten Tag die Tour fortsetzen.

Nach dieser Zeit  fuhr er zwei Jahre mit dem Car Feriengäste in ihr Reisedomizil und nun ist er bei der DIWISA seit 20 Jahren!

Inzwischen sind wir bei unserem ersten Halt angelangt. Ohne weiteres fährt Franz den Lastwagen rückwärts an die Rampe - ohne eine Korrektur. "Alltags Training" sagt er beiläufig. Wir steigen aus der Kabine - ich klettere etwas holprig hinunter, Franz öffnet währenddessen die Hebebühne. Hier ist alles nach vorgesehener Abladestelle geladen. Auffallend ist, dass die vollbeladenen Paletten auf der rechten Seite stehen. Dies muss zwingend eingehalten werden, sonst könnten die Paletten im Kreisverkehr kippen.

Mit dem Palettenhubwagen resp."Palettrolli" zieht er die erste Ladung auf die Rampe und übergibt diese dem entgegenkommenden Stapler. Anschliessend werden die Lieferscheine abgegeben. Ein unterzeichnetes Exemplar nimmt er für unsere Unterlagen entgegen. Die Paletten werden 1:1 ausgetauscht. Der "Palettrolli" wird sicher verstaut, sodass sich nichts selbständig machen kann. Und weiter geht die Fahrt zum nächsten Kunden.

Auch unser Gespräch wird fortgeführt. Franz erzählt mir, dass er einmal in der Woche einen "Zweitäger" hat. 

"Ich mache dies gerne. Ich weiss genau was zu tun ist. Am ersten Tag kann ich Vollgas geben und dann ist der zweite Tag etwas gemütlicher."

Oft wird der LKW auf der Heimreise wieder gefüllt. Sei es im Sommer mit prallgefüllten Kirschenpaloxen oder mit Eventmaterial wie Bartischen oder Theken. Dies gibt Abwechslung in den Chauffeuralltag. Bereits sind wir an der zweiten Abladestelle angekommen. Hier ist derselbe Ablauf wie bei allen Haltestellen. Aussteigen, Hebebühne hinunter lassen, ausladen, Palettrolli aufladen, sichern, einsteigen und weiter geht’s.

Besonders geniesst Franz die Natur. " Dies entschädigt die Stunden im Stau. Was gibt es schöneres als blühende Bäume, verschneite Bergwelten und grasende Kühe? Im Winter komme ich mir vor, als wäre ich in einem Wohnzimmer – angenehm warm mit einer faszinierenden Kulisse. Viele nehmen lange Autofahrten für einen Sonnenaufgang am See oder einen Sonnenuntergang in der Höhe in Kauf. Ich habe dies während der Arbeit."

Franz biegt nun in eine Seitengasse ab. Beim vermuteten Ziel angekommen, lässt er sein Fenster hinunter und ruft "Wie geht's?... Ich habe heute leider nicht's für dich. Einen schönen Tag wünsch ich dir!". Somit merke ich einmal mehr, dass man sich nach diesen Jahren kennt und eine Beziehung aufgebaut hat.

Nach drei weiteren Abladestellen gehen wir in eine richtige "Büetzerbeiz". Es ist selbstsprechend, dass man hier am Stammtisch Platz nimmt. Hier gibt es keinen komplizierten Umgang: Man ist Per-du und die Serviette bleibt neben dem Teller liegen. "

Der Kontakt unter den Chauffeuren hat in den letzten Jahren ziemlich abgenommen. Viele sind im Dauerstress und machen daher kaum mehr eine richtige Rast in einem Restaurant. Andererseits gibt es viele Auslandchauffeure, bei welchen die Sprachbarriere dazwischen steht." Nach dem Essen geht es wieder weiter zu den nächsten Kunden und der Ablauf beginnt erneut…

Am Nachmittag erfahre ich von den Schattenseiten. Franz gefällt seine Arbeit sehr und er könnte sich nichts anderes vorstellen. Trotzdem gibt es auch Situationen, in denen er sich an Früher erinnert. "Heutzutage kann jemand eine Panne haben – alle fahren vorbei und bieten nicht einmal ihre Hilfe an. Früher hätte bereits der nächste Autofahrer seine Hilfe angeboten. Niemand will die Chauffeure, aber alle brauchen sie. Durch viele Überbauungen sind grosse Parkplätze für Übernachtungen nicht mehr vorhanden und man muss schauen, wo man stehen will.

Langsam fahren wir wieder heimwärts und wir nähern uns der Ortstafel "Willisau". Der Tag war interessant und kurzweilig. Ich hatte einen Einblick in den Alltag eines Chauffeurs. An dieser Stelle möchte ich Franz herzlich für seine Zeit danken – und weiterhin eine gute Fahrt!